{"id":6978,"date":"2016-11-10T21:11:05","date_gmt":"2016-11-10T21:11:05","guid":{"rendered":"http:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/?p=6978"},"modified":"2017-10-29T20:09:59","modified_gmt":"2017-10-29T20:09:59","slug":"ein-schmuckstueck-aus-bramfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/ein-schmuckstueck-aus-bramfeld\/","title":{"rendered":"EIN SCHMUCKST\u00dcCK AUS BARMBEK"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-6979\" src=\"https:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tanzbruecke-1-300x200.jpg\" alt=\"tanzbruecke-1\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tanzbruecke-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tanzbruecke-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/tanz-bruecke.de\/ja\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/tanzbruecke-1.jpg 780w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Der Verein Tanzbr\u00fccke Hamburg bietet seinen Mitgliedern viel mehr als Tanz und Ballett \u2013 er ist ein St\u00fcck Heimat.<\/strong><\/p>\n<p>Text: Frank Heike<br \/>\nFoto: Frank Molter<\/p>\n<p>http:\/\/www.hamburger-sportbund.de\/personen\/2638\/tanzbruecke-hamburg<\/p>\n<p>Wer sich der Tanzbr\u00fccke an der Bramfelder Stra\u00dfe zum ersten Mal n\u00e4hert, kommt mit ged\u00e4mpften Erwartungen. Ein schmuckloser Flachbau, funktional, wenig einladend. Doch wer eintritt (und seine Schuhe ausgezogen hat), staunt: viele, helle R\u00e4ume. Holz. Farben. Gute Luft. Stimmengewirr. Wohlf\u00fchlatmosph\u00e4re. Der drau\u00dfen-drinnen-Kontrast ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Natalia Dergatcheva freut sich, wenn sie so etwas h\u00f6rt. Bis 2012 war der Verein Tanzbr\u00fccke Hamburg in Altona beheimatet. Dann musste er die in 15 Jahren lieb gewonnene Heimat verlassen. \u201eEs war eine Notsituation\u201c, sagt die Vereinsgr\u00fcnderin, \u201ewir entschieden uns, eigene R\u00e4ume zu suchen. Das war nicht so leicht, so dass der Verein vor einem Jahr vor dem Aus stand.\u201c Doch allzu leicht wollten sie und ihre Mistreiter im Vorstand nicht aufgeben. Nun ist die Tanzbr\u00fccke in Barmbek angekommen. Renoviert haben sie alle gemeinsam. Zwar hat der Verein rund 30 Prozent seiner Mitglieder verloren, die nicht willens waren, t\u00e4glich oder mehrmals die Woche den Weg von Altona nach Barmbek zur\u00fcckzulegen. Doch eine gewisse Zufriedenheit ist Natalia Dergatcheva in den neuen R\u00e4umen mit den Namen Hamburger Partnerst\u00e4dte anzumerken. Es geht weiter mit der Arbeit in dem Klub, der seit drei Jahren St\u00fctzpunktverein im Programm Integration durch Sport des HSB ist und die gute Zusammenarbeit mit dem Sportbund sehr sch\u00e4tzt. \u201eWir haben hier alle einen Migrationshintergrund\u201c, sagt die durchtrainierte 51-J\u00e4hrige l\u00e4chelnd, \u201edie meisten Mitglieder kommen aus den ehemaligen GUS-L\u00e4ndern Zw\u00f6lf Nationalit\u00e4ten haben wir hier.\u201c Knapp 200 Mitglieder z\u00e4hlt der Verein.<\/p>\n<p>Darunter viele Kinder. Es ist ein buntes Gewusel aus Tanz, Judo, Malen, Singen, Klavier spielen und Lernen in der Tanzbr\u00fccke. \u201eNur das Tanzen reicht nicht mehr\u201c, sagt Natalia. Schwerpunkt ist es aber geblieben. Schwerpunkt und Herzst\u00fcck der Tanzbr\u00fccke \u2013 vielseitig, vom klassischen Ballett bis zum Tanztheater. Doch die Tanzbr\u00fccke erweitert stetig ihr Angebot. Selbstverteidigung f\u00fcr die Kleinen ist hinzugekommen, Nippon Kempo und Sambo. Um die Sprachf\u00f6rderung in Deutsch, Englisch und Mathe k\u00fcmmern sich ausgebildete Lehrer. Es hat sich einiges entwickelt, auch, was die Mitglieder angeht: \u201eDie M\u00e4dels der ersten Stunde bringen inzwischen ihre Kinder her\u201c, sagt Natalia Dergatcheva. Sie kann es kaum glauben, dass die Tanzbr\u00fccke im n\u00e4chsten Jahr schon den 20. Geburtstag feiert.<\/p>\n<p>Viele Sparten und Generationen kommen in diesem hamburgweit einmaligen Verein zusammen, von dem Natalia Dergatcheva sagt: \u201eWir sind offen, wir sind Hamburg. Wir wollen kein Ethnoverein sein.\u201c Es geht ihr darum, Br\u00fccken zu schlagen zwischen Kulturen und Altersgruppen. Zwischen Russland und Deutschland. Mit den Mitteln des Sports und der Kultur.<\/p>\n<p>Sie selbst stammt aus St. Petersburg, hat dort ihre Choreographie-Ausbildung gemacht und Psychologie studiert, ehe die Liebe sie nach Hamburg lenkte. Hier lernte sie Deutsch, studierte Diplom-Sportwissenschaften und gr\u00fcndete den Verein Tanzbr\u00fccke. Sie erinnert sich: \u201eIch hatte zwar Deutsch in der Schule, aber das war in den 80er Jahren eine tote Sprache in der Sowjetunion. Es gab ja keine Chance, sie jemals aktiv zu nutzen.\u201c Es kam anders \u2013 mit kuriosem Verlauf. \u201eMeine Tochter Elena konnte nach vier, f\u00fcnf Monaten in Deutschland besser Deutsch als ich\u201c, sagt Natalia lachend. Elena ist ein Kind der Tanzbr\u00fccke, ist mit der Vereinsarbeit der Eltern gro\u00df geworden. Inzwischen studiert sie nicht nur Stadtplanung an der Hafen-City-Universit\u00e4t, sondern trainiert auch Tanzgruppen und arbeitet als Botschafterin des Sports bei der Tanzbr\u00fccke.<\/p>\n<p>Die meisten russischst\u00e4mmigen Hamburger wohnen in Allerm\u00f6he, Lurup und Eidelstedt. F\u00fcr sie ist das Kultur- und Sportzentrum an der Bramfelder Stra\u00dfe ein Zuhause \u2013 aus ganz Hamburg bringen M\u00fctter ihre T\u00f6chter (und S\u00f6hne) hierher zum Tanzen und Lernen. Auch das Thema Fl\u00fcchtlinge besch\u00e4ftigt Natalia Dergatcheva. Gerade, weil sie einiges nachempfinden kann, was Asylsuchenden in Deutschland durch den Kopf geht. Sie sagt: \u201eIch denke schon, dass ich mich gut in sie hineinversetzen kann. Ich bin auf eine Art auch geflohen und war hier fremd. Die deutsche Sprache ist mir anfangs schwer gefallen. Geholfen hat mir der Tanz. Dort muss man nicht viel reden.\u201c<\/p>\n<p>Gern w\u00fcrde sie mehr Geflohenen den Weg in die Tanzbr\u00fccke ebnen: das Programm bietet sich an. Doch es hakt ein wenig. \u201eEs ist schwer, mit ihnen in Kontakt zu treten\u201c, sagt Natalia Dergatcheva. Ein paar Mal habe sie es in nahen Unterk\u00fcnften schon versucht. Auch in einer f\u00fcr unbegleitete minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge. Das war ziemlich erfolglos. Immerhin treiben einige Fl\u00fcchtlingskinder inzwischen Sport bei der Tanzbr\u00fccke. Natalia Dergatcheva will am Ball bleiben und weiter f\u00fcr die Angebote werben. Immerhin sind die Fl\u00fcchtlinge von vor 20 Jahren inzwischen Menschen und Vereinsmitglieder, die sich in Hamburg wohlf\u00fchlen. Auch daraus zieht sie Selbstvertrauen und Genugtuung: \u201eWir sind sehr gut bekannt in Hamburg\u201c, sagt sie, \u201eunsere Arbeit wird gew\u00fcrdigt.\u201c Wenn die St\u00e4dtepartnerschaft zwischen Hamburg und St. Petersburg 2017 ihr 60-j\u00e4hriges Bestehen feiert, wird auch eine Abordnung der Tanzbr\u00fccke als Teil der Hamburger Delegation nach Russland reisen.<\/p>\n<p>Das wird eine gro\u00dfe Sache sein. Doch auch im Kleinen ist die Tanzbr\u00fccke stets sichtbar. Auf Stadtteilfesten ist sie mit Auftritten pr\u00e4sent, pr\u00e4sentiert dann gern die russische Seele in Tanzform. Dazu gibt es nat\u00fcrlich die geeignete Verpflegung:\u00a0 Piroggen, Borschtsch und Blini. \u201eSehr gehaltvoll\u201c, sagt Natalia Dergatcheva. Doch so schlank wie sie ist, hat sie allenfalls mal davon genascht \u2013 oder sehr viele Kalorien weggetanzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verein Tanzbr\u00fccke Hamburg bietet seinen Mitgliedern viel mehr als Tanz und Ballett \u2013 er ist ein St\u00fcck Heimat. Text: Frank Heike Foto: Frank Molter http:\/\/www.hamburger-sportbund.de\/personen\/2638\/tanzbruecke-hamburg Wer sich der Tanzbr\u00fccke an der Bramfelder Stra\u00dfe zum ersten Mal n\u00e4hert, kommt mit ged\u00e4mpften Erwartungen. Ein schmuckloser Flachbau, funktional, wenig einladend. 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